Frachtsegler Avontuur

Frachtsegler „Avontuur“ geht erneut auf Tour

Warentransport zur See ist auch ohne Emissionen möglich – zumindest in kleinem Rahmen. Ein Zweimaster aus Elsfleth bringt eine Ladung Mode über den Atlantik.

Leinen los auf der Weser: Bereits zum zweiten Mal sticht die „Avontuur“ in See. Über La Rochelle in Frankreich soll es nach Kanada gehen. Die Mannschaft hat aber zugleich noch ein weiteres Ziel im Blick: Sie will ein Zeichen setzen – dafür, dass Frachtverkehr über die Meere auch ohne massive Umweltverschmutzung möglich ist. Bis zu 115 Tonnen Ladung kann das Segelschiff aufnehmen. Im Vergleich zu den Kapazitäten der großen Containerschiffe ist das zwar nur wenig. Auf bestimmten Routen könnte der Frachtverkehr auf Basis von Windkraft aber eine echte Alternative sein.

Die „Avontuur“ wurde 1920 in den Niederlanden gebaut. Vor etwa drei Jahren kaufte der aus Bremen stammende Kapitän und Reeder Cornelius Bockermann den „Oldtimer“ und brachte ihn ins niedersächsische Elsfleth. Auf der dortigen Werft wurde der Frachtsegler auf Vordermann gebracht. Finanziert wurden die Reparatur- und Umbauarbeiten überwiegend aus Ersparnissen Bockermanns. Bei der praktischen Arbeit unterstützten ihn im Zeitraum von November 2014 bis Juli 2016 aber mehr als 150 Freiwillige aus aller Welt, die über das Internet von dem Projekt erfahren hatten.

Die Vereinbarung mit den fleißigen Helfern war einfach und attraktiv: Pro Arbeitstag auf der Werft wurde ihnen je ein Tag als Trainee auf hoher See gutgeschrieben. Diesen „Lohn“ können sie nun voll genießen. Nachdem bei einer ersten Tour in die Karibik im vergangenen Jahr unter anderem Kaffee aus Honduras nach Bremen gebracht wurde, sind im Anschluss an die am 18. Juli gestartete Reise nach Montreal in Kanada noch mehrere weitere Atlantiküberquerungen geplant.

Ökologischer Transport für ökologische Produkte

Im Detail werden die Routen stets an den Bedarf der Frachtkunden angepasst. Auf Wunsch könnten auch noch zusätzliche Häfen angesteuert werden, heißt es auf der Website des „Avontuur“-Projekts, das unter dem Namen Timbercoast vermarktet wird. Interessant ist der Transport per Frachtsegler natürlich vor allem für Unternehmen, die auch bei ihren Produkten Wert auf Nachhaltigkeit legen. Wichtigster Auftraggeber der aktuellen Reise ist das kanadische Handelshaus Portfranc, das sich auf den Import von Waren aus ökologischer und sozialverträglicher Herstellung spezialisiert hat.

„Wir haben eine klare Botschaft. Wir wollen auf die Missstände in der Welthandelsflotte hinweisen und zeigen, dass Waren sauber und emissionsfrei über den Seeweg transportiert werden können“, sagt Bockermann. Was auf den Straßen mit grünen Plaketten und Schadstoff-Richtlinien längst geregelt werde, sei auf See bisher kaum ein Thema, heißt es auf der Timbercoast-Website. Die „Avontuur“ biete die Möglichkeit, Fracht per Windkraft zu transportieren und so eine Verbindung zwischen nachhaltigen Produzenten und verantwortungsvollen Verbrauchern zu schaffen.

Weitere Informationen:
Interview mit dem Projekt-Gründer und Kapitän Cornelius Bockermann

 

Frachtsegler Avontuur im Hafen
Der Frachtsegler „Avontuur“ bietet ökologischen Warentransport zur See. Bei der ersten großen Reise wurde Kaffee von Honduras nach Bremen gebracht.

 

 

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