Studie wirbt für Import von LNG über Wilhelmshaven

Studie wirbt für Import von LNG über Wilhelmshaven

LNG gewinnt an Bedeutung – auch als Treibstoff für Schiffe. Die Infrastruktur muss daher ausgebaut werden. Der Wettbewerb der Standorte ist in vollem Gange.

Wenn in deutschen Häfen ein Schiff mit LNG betankt werden soll, muss dieses erst umständlich herbei transportiert werden – meist aus Rotterdam. Da die nationale Erdgasversorgung fast komplett über Pipelines erfolgt, erschien ein Importterminal an der Küste lange Zeit überflüssig. Doch um einerseits die Abhängigkeit von einzelnen Lieferstaaten zu verringern und andererseits den Einsatz des umweltfreundlichen Treibstoffs in der Seefahrt zu fördern, ist ein solches LNG-Terminal nun wieder zunehmend im Gespräch. Die Frage ist: Wo sollte es gebaut werden? Eine neue Studie hat auf diese Frage eine klare Antwort.

Wilhelmshaven sei für den Import von verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas) ideal aufgestellt, heißt es in der Potenzialanalyse „LNG-Infrastruktur an der deutschen Nordseeküste unter Betrachtung besonders geeigneter Standorte“. Bei kritischen Erfolgsfaktoren wie Nautik oder Leitungsanbindung schneidet die Stadt am Jadebusen demnach besser ab als das von Teilen der Branche favorisierte Brunsbüttel. Als finanziell attraktivste Lösung empfehlen die Autoren ein „schwimmendes Terminal“, ein sogenanntes FSRU (Floating Storage and Regasification Unit).

Der Anteil der Seeschiffe mit Flüssiggas-Antrieb wird der Studie zufolge in den kommenden Jahren stark zunehmen. Fest steht: Gegenüber der derzeitigen Versorgung der regionalen Nachfrage über ausländische Häfen würde ein „eigenes“ LNG-Terminal in Deutschland die Transportstrecken erheblich verringern – das würde Kosten sparen und zugleich ökologisch von Vorteil sein. Zumindest angedeutet wird in der Studie dabei eine mögliche „Aufgabenteilung“: Brunsbüttel könne die LNG-Nachfrage entlang der Elbe bedienen und Wilhelmshaven die an der übrigen Nordseeküste, heißt es in der einleitenden Zusammenfassung.

Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr betont in einer Pressemitteilung, dass es in der Frage eines Importterminals für Flüssiggas nicht nur um konventionell gefördertes Erdgas gehe, sondern perspektivisch auch um „Green-Gas“ bzw. „Green-LNG“. Dabei handle es sich um synthetisches Gas, das aus erneuerbaren Energien gewonnen werde. Dieses ließe sich in Zukunft vermehrt in besonders sonnenreichen Ländern herstellen und dann ebenfalls über Wilhelmshaven importieren.

Die Herausgeber der LNG-Studie sind das Maritime Kompetenzzentrum Mariko in Leer, die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer, der Maritime Strategierat Weser-Ems und die Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung. Das Konsortium plant nach eigenen Angaben die Einrichtung einer neuen Geschäftsstelle, mit der die Realisierung einer LNG-Import-Infrastruktur vorangetrieben werden soll.

 

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