Vorstellung des Projekts Green Coastal Shipping bei DNV GL in Oslo

Öko-Tanker, Elektro-Fähren und nachhaltige Häfen

Das „Green Coastal Shipping Programme“ soll die norwegischen Küsten zu den saubersten der Welt machen. Erste Projekte zeigen, wie das gelingen könnte.

Das Ziel ist ambitioniert: Bis zum Jahr 2030 will Norwegen die Emissionen seiner Küstenschifffahrt gegenüber dem Niveau von 1990 um 40 Prozent reduzieren. Bis 2050 wird sogar ein Rückgang um 80 Prozent angestrebt. Gelingen soll dies durch eine enge Kooperation aller beteiligten Akteure – Reeder und Hafenbehörden, Werften und Zulieferer, Logistikunternehmen und Ladungseigentümer, Hochschulen und Finanzinstitute.

Gemeinsam wollen die Projekt-Partner Elektromotoren, Flüssigerdgas-Systemen und anderen umweltfreundlichen Lösungen zum Durchbruch verhelfen. „Auch wenn Schiffe viel sauberer sind als andere Transportmittel, sind die Emissionen der Branche immer noch beträchtlich“, sagt der Projekt-Koordinator Narve Mjøs (Foto) von der Klassifikationsgesellschaft DNV GL. Einige Beispiele dafür, wie sich Emissionen in der Praxis vermeiden lassen, wurden kürzlich im Rahmen der internationalen Konferenz Nor-Shipping 2017 in Oslo vorgestellt.

Die Reederei Teekay, die vor der Erneuerung eines Teils der eigenen Flotte steht, entwickelt einen neuen Shuttletanker-Typ für den Einsatz in der Nordsee. Geplant ist dabei ein Wechsel auf LNG-Antrieb. Ergänzende Elektromotoren werden Spitzenlasten abfedern. Außerdem sollen sogenannte VOC (Volatile Organic Compounds / Flüchtige organische Verbindungen), die während der Transporte von den Ölfeldern zur Küste sowie bei den Ladevorgängen normalerweise entweichen, eingefangen und als zusätzliche Energiequelle genutzt werden.

Der Technikkonzern ABB arbeitet mit regionalen Partnern an einem neuartigen Versorgungsschiff für Aquakulturen. Solche Schiffe benötigen für den Transitverkehr zwar eine solide Motorleistung. Beim eigentlichen Einsatz im Bereich der Fischfarmen dagegen wäre ein sparsamer Batteriebetrieb in der Regel ausreichend. Als Lösung ist in diesem Projekt daher ein Hybridantrieb angedacht.

Landstrom, LED und „grüne“ Ladekräne

Der norwegische Hafen Risavika bei Stavanger will nicht nur den eigenen Energieverbrauch, sondern auch die generell im Hafenbereich verursachten Emissionen drastisch reduzieren. Dies soll durch eine Reihe verschiedener Maßnahmen erfolgen: Ladekräne und Hafenfahrzeuge werden auf Elektro-Betrieb umgestellt, für die Beleuchtung sorgen künftig LED-Lampen. Damit auch die Schiffe während der Liegezeiten „sauber bleiben“, werden Landstrom-Anschlüsse bereitgestellt.

Bei öffentlichen Ausschreibungen für den Betrieb von kleineren Fähren auf den vielen Fjorden macht die norwegische Regierung neuerdings strenge Umweltvorschriften. Eine bereits bewährte Option, diese einzuhalten, sind reine Elektro-Fähren. Die Reederei Torghatten setzt auf einer Route im Norden des Landes auf ein Hybridsystem, das neben einem solchen Batteriebetrieb auch den Einsatz von Biodiesel ermöglicht.

Für den Personenverkehr entlang der zerklüfteten norwegischen Küste sind Katamarane und ähnliche Schnellboote oft besser geeignet als Busse oder Züge. Bei hoher Geschwindigkeit verbrauchen diese allerdings sehr viel Treibstoff. Eine umweltschonende Alternative wird in der Gemeinde Florö ins Auge gefasst: Eine mit Wasserstoff betriebene Pendlerfähre. Die Emissionen im öffentlichen Nahverkehr der Gemeinde sollen damit um mehr als 50 Prozent reduziert werden.

Schiffe sollen Straßen entlasten

Ein übergreifendes Ziel des „Green Coastal Shipping“-Projekts ist es, Verkehr von den Straßen auf die See zu verlagern. Dies gilt auch für die in Norwegen wichtige Lachs-Industrie. Die Reedereien Eimskip und Egil Ulvan arbeiten daher gemeinsam mit anderen Partnern an einem Konzept für effektivere Kühltransporte in Richtung der Absatzmärkte in Zentraleuropa. Geplant ist eine Art Pendel-Verkehr, mit zahlreichen Zwischenstopps, von Tromsö im äußersten Norden bis nach Fredrikstad im Süden mit knapp hundert Meter langen LNG-Frachtern.

Parallel zur Verbesserung der Umweltbilanz strebt die norwegische Seeschifffahrt eine zunehmende Automatisierung an. Zu den Vorreitern in diesem Bereich zählt das Unternehmen Kongsberg, das an der Entwicklung von selbst-fahrenden Containerschiffen mit Elektroantrieb arbeitet. Mittelfristig ließen sich damit auf wichtigen Routen wie zwischen den Städten Stavanger und Bergen jeden Tag mehrere hundert Lkw-Fahrten ersetzen. Bereits im Jahr 2020 soll auf einer kurzen Strecke im Süden des Landes der vollautomatische Elektro-Frachter „Yara Birkeland“ fahren.

Zentraler Bestandteil der norwegischen Küstenschifffahrt ist auch die Fischfangflotte. Im Rahmen des „Green Coastal Shipping“-Projekts will daher auch der Verband der Fischereifahrzeug-Reeder einen Beitrag zur Senkung der Emissionen leisten. Abhängig von den konkreten Fahrtgebieten sollen mehrere Konzepte für verschiedene Arten von Fischerbooten geprüft werden – unter anderem Kombinationen aus Diesel- oder LNG-Motoren und Batterie-Technik.

 

Weitere Informationen:
Video zur Vorstellung des „Green Coastal Shipping Programme“
Projektbeschreibung auf der Website von DNV GL (Norwegisch)

 

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