Staatsfonds aus Norwegen fordert höhere Standards beim Abwracken von Schiffen

Norwegen will Standards beim Schiffsrecycling erhöhen

Der norwegische Ölfonds verwaltet Milliarden. Reedereien können künftig aber nur noch dann auf Investitionen hoffen, wenn sie beim Abwracken auf Nachhaltigkeit achten.

Mehrere Reedereien sind ab sofort vom weltweit wichtigsten Staatsfonds ausgeschlossen. Weil die Unternehmen bei der Entsorgung ihrer Schiffe auf Stränden in Bangladesch und Pakistan extrem gefährliche Arbeitsbedingungen und massive Umweltverschmutzungen in Kauf nähmen, komme eine finanzielle Unterstützung nicht mehr in Frage, teilte die für den norwegischen Ölfonds zuständige Zentralbank in Oslo mit. Der Gesamtwert des Fonds liegt bei mehr als einer Billion Dollar – er hält mehr als ein Prozent aller gehandelten Aktien weltweit.

Die internationale Shipbreaking Platform begrüßte den Schritt. „Es ist das erste Mal, dass Reedereien wegen schlechter Abwrackmethoden aus dem Programm eines Investitionsfonds gestrichen werden“, sagte Ingvild Jenssen, Gründerin und Leiterin der in Brüssel ansässigen Organisation. Dass zudem ausgerechnet die so einflussreichen Vermögensverwalter aus Norwegen eine solche Entscheidung getroffen hätten, sei „ein deutliches Signal an sämtliche Finanzinstitute, diesem Beispiel zu folgen“.

Die ganz große Mehrheit aller weltweiten Handelsschiffe wird nach Ende der Nutzung zum Abwracken nach Südasien geschickt. Meist werden sie dort einfach mit hoher Geschwindigkeit auf einen Strand gefahren. Diese Methode, die „Beaching“ genannt wird, ist sehr umstritten. Denn die anschließende Zerlegung erfolgt oft weitgehend per Hand und ohne Sicherheitsvorkehrungen für die Arbeiter. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen. Giftige Reststoffe versickern im Sand oder werden mit der nächsten Flut hinaus ins Meer gespült.

Um bessere Standards zu schaffen, wurde 2009 im Rahmen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO die sogenannte Hongkong-Konvention verabschiedet. Bevor sie in Kraft treten kann, muss sie aber von mindestens 15 Staaten mit mehr als 40 Prozent der Welthandelstonnage ratifiziert werden. Noch liegt dieses Ziel in weiter Ferne. Die EU will deswegen eigene Vorschriften durchsetzen. Ob dies Wirkung zeigen wird, ist allerdings unklar. Bisher lassen sich fast alle Regeln leicht umgehen, indem ausgediente Schiffe zunächst an einen Zwischenhändler verkauft werden. Der schickt sie dann unter neuer Flagge und oft auch unter neuem Namen doch an die berüchtigten Strände in Südasien.

 

Weitere Informationen:
Interview mit dem Schiffsrecycling-Experten Henning Gramann

 

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