ICCT-Studie befeuert Debatte über Scrubber-Verbot

Studie befeuert Debatte über Scrubber-Verbot

In Kombination mit einem Scrubber darf schmutziges Schweröl auch weiterhin als Treibstoff für Schiffe genutzt werden. Experten warnen vor großen Gefahren für die Umwelt.

Mit einem Abgaswäscher werden zwar Schwefelgrenzwerte eingehalten. Doch der Schwefel verschwindet nicht einfach. Die sogenannten Scrubber verhindert lediglich, dass er in die Luft gelangt – stattdessen wird er dann ins Meer geleitet. Und bei anderen Schadstoffen bliebt auch die Luftverschmutzung sehr hoch. Viele Häfen und auch ganze Staaten haben den Scrubber-Einsatz daher bereits stark eingeschränkt. Eine neue Studie empfiehlt nun sogar ein generelles Verbot.

Die in den USA ansässige Organisation ICCT (International Council on Clean Transportation) hat die Emissionen von Schiffen, die bei Verwendung eines Scrubbers weiterhin Schweröl verbrennen, genau unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Mit der Technik könnten Schiffsabgase keineswegs in gleicher Weise reduziert werden wie bei der Nutzung des schwefelärmeren Kraftstoffes Marinedieselöl, schreiben die Autoren. Hinzu komme eine erhebliche Belastung des Meerwassers.

Die Feinstaub-Emissionen bei der Kombination eines Scrubbers mit dem besonders schmutzigen Schweröl sind den Angaben zufolge fast 70 Prozent höher als bei dem Einsatz von MGO (Marine Gas Oil). Auch beim CO2-Ausstoß schneidet das Abgaswäscher-Prinzip im Vergleich schlechter ab. Vor allem aber warnt die Studie, dass das ins Meer geleitete “Waschwasser” unter anderem Nitrate, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle enthalte. Diese würden sich zunehmend in der Umwelt anreichern und damit auch in die Nahrungsketten gelangen.

Das Ableiten dieser Schadstoffe ins Meer ist bisher nicht verboten. Die ICCT-Experten kritisieren, dass die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO die entsprechenden Regularien seit 2008 nicht verschärft habe – obwohl 2009, 2015 und 2020 Überprüfungen vorgenommen worden seien. Die kumulativen Effekte in viel befahrenen Meeresgebieten würden dabei ignoriert. Und seit 2008 habe sich die Zahl der mit einem Scrubber ausgestatteten Schiffe von drei auf mehr als 4300 erhöht.

Als Konsequenz empfehlen die Autoren, “dass einzelne Regierungen weiterhin unilaterale Maßnahmen ergreifen, um das Ableiten von Scrubber-Waschwasser einzuschränken oder zu verbieten”. Denkbar wäre ein “sofortiges Verbot” solcher Verunreinigungen in eigenen Häfen, Binnengewässern und Küstenmeeren. Auf internationaler Ebene sollte die IMO erwägen, den Scrubber-Einbau auf neuen Schiffen zu verbieten und den Einsatz in der bestehenden Flotte stufenweise auslaufen zu lassen, heißt es im Fazit der Studie.

 

Weitere Informationen:
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