Die mit Wasserstoff betriebene Personenfähre Hydroville

Sauber pendeln mit Wasserstoff im Tank

Die Personenfähre „Hydroville“ hat zwar einen Verbrennungsmotor. Doch die Umweltbilanz ist vorbildlich. Und die Reederei plant schon für größere Projekte.

Auf der Schelde verkehrt seit wenigen Wochen ein ganz besonderes Schiff: „Hydroville“ – ein kleiner Katamaran der Compagnie Maritime Belge (CMB). Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um die erste zugelassene Passagierfähre mit einem Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Der Name ist angelehnt an die der einstigen CMB-Dampfer im weltweiten Liniendienst. Die „Hydroville“ selbst wird im Alltag nur zwischen Antwerpen und dem Vorort Kruibeke unterwegs sein. Die Technik könnte eines Tages aber ebenfalls auf den Weltmeeren zum Einsatz kommen.

Wasserstoff steht durchaus auch bei anderen Projekten zu nachhaltigen Schiffsantrieben im Fokus. Meist geht es dabei aber um dessen Einsatz in einer Brennstoffzelle. Die „Hydroville“ ist hingegen mit zwei sogenannten Dual-Fuel-Motoren ausgestattet. Diese können sowohl mit Diesel als auch mit der umweltfreundlichen Alternative laufen. Bei der Wasserstoff-Verbrennung an Bord des Katamarans würden weder CO2 noch Feinstaub oder Schwefeloxide freigesetzt, heißt es in einer Pressemitteilung der belgischen Reederei-Gruppe.

Die „Hydroville“ soll als Pilot-Fahrzeug dienen. Mitarbeiter der CMB können mit dem Schiff zwar auch zur Arbeit pendeln. Aber in erster Linie sind die täglichen Touren auf der Schelde dazu da, die neue Technik zu testen. Ziel ist die Weiterentwicklung des Wasserstoff-Antriebs für Anwendungen auf großen Seeschiffen. Damit könnte das Projekt einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die CMB-Flotte von insgesamt etwa hundert Tankern und Frachtern deutlich umweltfreundlicher zu machen.

Die Herstellung des Treibstoffs wird durch den zunehmenden Ausbau der erneuerbaren Energien attraktiver. Künftig könnte etwa überschüssige Energie aus Windparks verstärkt dafür genutzt werden, den speicherbaren Wasserstoff aus Wasser zu generieren. Auf der Suche nach alternativen Antrieben setzt CMB nach eigenen Angaben vor allem deswegen auf Wasserstoff-Verbrennungsmotoren, weil die Leistungen von Brennstoffzellen oder Batterien für den globalen Seetransport bisher nicht ausreichen. Nach dem „Hydroville“-Projekt ist im nächsten Schritt der Einsatz eines mit Wasserstoff angetriebenen Hilfsmotors auf einem Containerschiff geplant.

„Hydro“ ist das griechische Wort für Wasser. „Ville“ war die übliche Endung in den Namen der traditionsreichen Passagierdampfer der CMB – wie etwa „Leopoldville“, „Fabiolaville“ oder „Anversville“. Mit der „Hydroville“ hat die belgische Reederei-Gruppe nun zum ersten Mal, seit die interkontinentalen Liniendienste aufgegeben wurden, wieder ein eigenes Personenschiff im Einsatz – wenn auch nur für maximal 16 Fahrgäste und auf einer nur wenige Kilometer langen Strecke auf dem Fluss Schelde.

 

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